Pflegetagebuch führen: So dokumentieren Sie den Hilfebedarf richtig
14. Mai 2026
Der Besuch des Gutachters dauert meist nur etwa eine Stunde. In dieser kurzen Zeit soll ein Bild entstehen, wie selbstständig ein Mensch im Alltag ist. Das gelingt nicht immer: Die Tagesform schwankt, nächtliche Probleme bleiben unsichtbar, und Angehörige vergessen vor Aufregung wichtige Punkte. Ein Pflegetagebuch schafft hier eine verlässliche Grundlage.
Was ist ein Pflegetagebuch?
Im Pflegetagebuch halten Sie über einen Zeitraum von ein bis zwei Wochen fest, bei welchen Tätigkeiten Ihr Angehöriger Hilfe braucht und wie diese Hilfe aussieht. Viele Pflegekassen stellen kostenlose Vorlagen zur Verfügung – es genügt aber auch ein einfaches Heft.
Der häufigste Fehler: Minuten zählen
Früher wurde der Pflegebedarf in Minuten gemessen. Seit 2017 zählt jedoch nicht mehr die Zeit, sondern die Selbstständigkeit. Entscheidend ist also nicht, wie lange das Waschen dauert, sondern ob Ihr Angehöriger es allein schafft, ob er angeleitet werden muss oder ob Sie es teilweise oder ganz übernehmen.
Tipp: Notieren Sie bei jeder Tätigkeit, welche Art von Hilfe nötig war: erinnern, anleiten, beaufsichtigen, teilweise übernehmen oder vollständig übernehmen.
Was gehört ins Pflegetagebuch?
- Mobilität: Aufstehen, Gehen in der Wohnung, Treppensteigen, Umsetzen
- Orientierung und Gedächtnis: Vergisst die Person Termine, Namen, die Tageszeit? Verirrt sie sich?
- Verhalten: Unruhe, Ängste, Abwehr bei der Pflege, nächtliches Umherlaufen
- Selbstversorgung: Waschen, Duschen, Anziehen, Essen, Trinken, Toilettengang
- Medizinische Versorgung: Medikamente, Blutzuckermessung, Verbandswechsel, Arztbesuche
- Alltag und soziale Kontakte: Tagesstruktur, Beschäftigung, Kontakt zu anderen Menschen
Konkret statt allgemein
Je genauer Ihre Einträge, desto aussagekräftiger ist das Tagebuch. Statt „braucht Hilfe beim Anziehen“ schreiben Sie lieber: „Kann Hemd nicht allein zuknöpfen, zieht Pullover verkehrt herum an, muss zum Wechseln der Kleidung aufgefordert werden.“ Halten Sie auch fest, was nachts passiert und an welchen Tagen es besonders schwierig war.
Das Tagebuch beim Termin nutzen
Legen Sie das Pflegetagebuch beim Begutachtungstermin vor und geben Sie dem Gutachter eine Kopie. Es dient Ihnen außerdem als Gedächtnisstütze, wenn Sie im Gespräch nach einzelnen Bereichen gefragt werden. Auch bei einem späteren Widerspruch ist es ein wichtiges Beweismittel.
Wir helfen Ihnen gern bei der Vorbereitung auf die Begutachtung. Rufen Sie uns an: 03471 / 642713 – oder nutzen Sie vorab unseren Pflegegrad-Rechner.